Angriff auf Kaspersky stellt neue Stufe der Cyberkriminalität dar

Diversen Onlinemedien und Nachrichtendiensten zufolge ist die russische Sicherheitsfirma Kaspersky Opfer eines Cyberangriffs geworden. Damit wurde, so das Handelsblatt unter Berufung auf F-Secure, ein gänzlich neues Niveau erreicht. „Wir sind heute das Ziel der Feinde, die wir bekämpfen wollen“, so der finnische IT-Sicherheitsspezialist Mikko Hypponen, der dies auf einer Konferenz in Berlin sogar mit einem Verstoß gegen die Genfer Konvention verglich.

Mitarbeiter von Kaspersky entdeckten einen Spionage-Trojaner, der über Monate hinweg unentdeckt im eigenen Netzwerk vertrauliche Informationen ausspähte. Er war offenbar dorthin gelangt, nachdem ein Mitarbeiter den Anhang einer gefälschten E-Mail geöffnet hatte. Bei der Schadsoftware soll es sich um einen Nachfahren des bekannten Computerwurms Stuxnet handeln. Einschätzungen zufolge haben die Angreifer unter anderem nach zukünftigen Schutzmechanismen für Betriebssysteme gesucht. Die Software sei „…extrem hochentwickelt und fast unsichtbar“, so Gründer und Chef Eugene Kaspersky in einer Videokonferenz. Sie habe bisher unbekannte Sicherheitslücken im Betriebssystem Windows ausgenutzt und dürfte in ihrer Entwicklung mehrere Millionen Dollar gekosten haben.

Die neue Stufe von Cyberkriminalität, die mit hochentwickelter Schadsoftware selbst vor Sicherheitsexperten und Profis keinen Halt mehr macht, lag in Fachkreisen bisher nicht im Bereich der anzunehmenden Möglichkeiten. Mikko Hypponen: „Zu Beginn meiner Arbeit bei dem finnischen Spezialisten F-Secure vor 25 Jahren habe ich mir so etwas nicht vorstellen können.“ Forensiker von Kaspersky Lab vermuten, dass dies erst der Anfang sein könnte, da sie nicht das einzige Ziel dieses mächtigen Akteurs waren. Andere Opfer wurden zwischenzeitlich auch in westlichen Ländern sowie in Ländern des Nahen Ostens und Asiens gefunden.

Rüdiger Lehmann

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